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 Betreff des Beitrags: Ohrrandprobleme (Ohrrand-Nekrose)
BeitragVerfasst: 11.01.2010, 15:11 
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Ohrrandprobleme (Ohrrand-Nekrose)

Unter einer Nekrose (v. griech. „Tod, Absterben“) versteht man in der Biologie und Medizin den intravitalen, pathologischen Untergang einzelner oder mehrerer Zellen.

Auf schädigende Einflüsse wie Gifte, Bakterien, Nährstoff- und Sauerstoffmangel und vieles mehr können Zellen unter Umständen nur noch mit dem Zelltod reagieren. Die Folge ist eine Entzündungsreaktion des umliegenden Gewebes. Je nach Gewebeart heilt die Nekrose durch Nachwachsen der Zellen komplett ab oder der nekrotische Gewebeteil wird durch eine bindegewebige Narbe ersetzt. (Wikipedia)

Ohrrandprobleme können im Alter von 7 bis 8 Monaten erstmals auftreten. Ein Zusammenhang mit dem Beginn der Pubertät wird vermutet. Möglich könnte auch eine Unterversorgung mit Zink (evtl. auch Eisen wegen Hormonumstellung) sein. Hunde verschiedener Kurzhaar-Rassen sind betroffen.

Zu Beginn bilden sich harmlose Bläschen oder Verdickungen an den Ohrrändern bzw. Ohrspitzen. Bleiben sie unbehandelt, platzen diese Verdickungen durch Kopfschütteln auf und bluten stark. Durch weiteres ständiges Schütteln kann die zunächst harmlose Wunde nicht abheilen. Unter den Krusten stirbt das Gewebe ab, so dass das Ohr Einkerbungen bekommen kann.

Leider ist derzeit ein allgemeingültiger Behandlungsvorschlag nicht vorhanden. Betroffene Pinscherhalter berichten von zahlreichen verschiedenen Behandlungsmethoden mit mehr oder weniger gutem Erfolg.

blutige Ohrspitze Blut über das Ohr verteilt

Grundsätzlich sollten zunächst schon einmal ein paar vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden:

* Artgerechte und naturnahe Ernährung,
* Mineralstoff-Versorgung gewährleisten (Zink, Heilerde, Schindeles Mineralien),
* Allgemein Stärken des Immunsystems,
* Regelmäßige Beigabe von Vitamin-K1,
* Vermeidung von zuviel "chemischen Keulen" in Form von häufigen Impfungen, Spot-on-Präparaten, Wurmkuren, Schaumbädern u.a.m.
* Kontrolle der Ohrränder auf Verletzungen und Bläschenbildung. Notfalls sofort mit einer dünnen Schicht Calendumed-Salbe oder Propolis-Salbe eincremen.
* Möglichst Konsultation eines klassischen Homöopathen

Da Emily zum Glück nie selbst betroffen war, kann ich hier nur Erfahrungsberichte anderer Pinscherhalter weitergeben.

Eine Möglichkeit:

Der einfachste Versuch, eine beginnende Ohrrandnekrose zu behandeln ist Propolis.
Häufig kann man Propolis-Tinkturen direkt beim Imker in sehr guter Qualität kaufen. Ich empfehle eine Tinktur ohne Alkohol:

Linktip: Imkerei Feuerstein

Die Tinktur vorsichtig auf die offene Stelle auftupfen und das Ohr fixieren, damit der Hund die Tinktur nicht abschütteln kann. Vorsicht!!! Färbt!

Das Aufbringen von Honig bester Qualität ist durchaus eine Alternative!

Die zweite Möglichkeit:

Gute Erfahrungen haben ein paar Pinscherhalter mit folgender Behandlung des akut erkrankten Ohres gemacht: Sie verwendeten ein
“Hydrokolloidpflaster”. Das Pflaster bildet zusammen mit dem Wundsekret ein feuchtes Milieu, das den Heilungsprozess begünstigt. Dies erfolgt durch eine Unterstützung der Wanderung von Epithelzellen, die Hautzellen können sich besser vermehren und sich leichter aufeinander zu bewegen. Ein Verbandswechsel verletzt neugebildetes Gewebe nicht.

Das Pflaster wird auf Wundgrösse zurechtgeschnitten von beiden Seiten gegen die Ohrspitze geklebt, dabei leicht überstehen lassen und die überstehenden Ränder zusammendrücken. Ein luftdurchlässiges Fixierpflaster (Fixomull stretch) zur besseren Befestigung grossflächig darauf kleben. Diesen Verband möglichst bis zu 7 Tage nicht entfernen. Ein besonderer Vorteil dieser Methode ist, die Wunde wird wirksam geschützt ohne dass sich der Hund daran stört.

Sind die Ohren weitgehend abgeheilt, kann man ein vollständiges Ausheilen mit Propolis-Tinktur erreichen.

Hier ein Foto eines Pinschers nachdem die Ohren erfolgreich abgeheilt waren (Hydrokolloid-Pflaster und klassisch-homöopathische Behandlung)
Leider sind deutliche Spuren geblieben.

Eine dritte Möglichkeit:

Folgende Ratschläge erhielt ich von Walter Froyen, Zwinger Stallvakten in Norwegen freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er schreibt:

"Wir hatten glücklicherweise noch nie aufgerissene Ohrränder bei unseren eigenen Hunden aber in unserem B-Wurf hatten wir zwei betroffene Hunde. Folgende Empfehlung geben wir:

Erster Schritt:

Wenn Sie zum ersten Mal sehen, dass das Ohr etwas trocken und hart am Rand ist, cremen Sie das Ohr mit „Bruledine 0,15% Creme“ ein. (Anm.: Die Salbe ist zumindest unter diesem Namen nicht in Deutschland erhältlich. Hersteller: Rhone-Poulenc, Inhaltsstoff u.a. Dibrompropamidin)

Wenn Sie diese antibakterielle und entzündungshemmende Creme gleich zu Beginn anwenden, werden die Ohrränder schnell und dauerhaft abheilen.

Zweiter Schritt:

Haben die Ohren bereits begonnen zu bluten, empfehlen wir immer, die Ohren zu verkleben. Wir kleben allerdings so, dass die eigentliche Wunde offen bleibt:

Die Ohrränder werden nach vorne eingefaltet...

... und mit einem Heftstreifen fixiert.

Die Wunde selbst bleibt offen und kann an der Luft abheilen. Das Ohr darf nicht zu fest eingebunden werden, damit der Blutfluss gewährleistet ist. es wird nicht am Kopf fixiert, kann aber so eingebunden nicht so um den Kopf schlagen.

Dritter Schritt:

Dies ist eine Mischung aus Schritt 1 und 2. Verwenden Sie zusätzlich zur "Bruledine-Salbe" auch noch Zink-Salbe. Zink lässt die Wunden schnell abheilen. Wir empfehlen, Zink-Salbe einmal täglich und „Bruledine-Salbe“ zweimal täglich. Solange es noch blutet, ist es am besten, die Ohren zunächst erst mal nur zu verkleben."

Die vierte Möglichkeit:

Folgende Behandlung brachte nach einer über ein halbes Jahr währenden Tortour für "Lennox" (Verdi vom Zemp), den jungen Rüden von André Zgraggen, endlich die Heilung. Hier sein Bericht:

"Nachdem auch die operative Entfernung des abgestorbenen Gewebes am Ohrrand keine dauerhafte Heilung brachte, stieß ich auf den Tip, die Wunden mit Teebaumöl zu behandeln. Dieses Öl kommt aus Australien und wird von den Aboriginees für alles Mögliche, was Gesundheit betrifft angewendet. Es wirkt antiseptisch (keimabtötend, desinfizierend), fungizid (pilzabtötend), antiviral (virenabtötend) und analgetisch (schmerzlindernd, wichtig, wegen dem Kopfschüteln).

Ich habe Lennox gut eine Woche lang behandelt, also einfach nur nach jedem Spaziergang die offene Stelle mit dem Öl betupft. Wichtig ist, dass man exakt nur die Wunde mit Öl betupft, da das Öl sehr scharf ist und das gesunde Gewebe verätzen kann. Nur kleinste Mengen sind nötig!

Nach einer Woche hat sich Schorf gebildet, der dann abfällt. Darunter ist recht festes, strapazierfähiges Gewebe entstanden, das seither nicht mehr aufgeplatzt ist. Hätte ich das vorher gewusst, wäre eine Operation nicht nötig gewesen."

Wenn Ihr Pinscher Probleme mit den Ohrrändern hat, wenden Sie sich bitte unbedingt auch an den Züchter, er/sie kann Ihnen vielleicht mit weiteren hilfreichen Tips zur Seite stehen.

Haben Sie ebenfalls Behandlungsvorschläge, nehme ich Ihre Tips gerne hier mit auf.

Alles Gute wünscht Emily

http://www.stallwache.de/Ohren.html



_________________
LG Suedwind
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