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 Betreff des Beitrags: Re: Kikki's erste Meldung von ihrem neuen zu Hause
BeitragVerfasst: 08.07.2011, 11:31 
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Ich bin doch nur ein kleiner Hund,…hat Harro in seinem Tagebuch geschrieben, und ich kenne so viele andere kleine Hunde in Ungarn, denen es so ging wie mir, die wie ich am Strassenrand oder in Trümmern gelebt haben oder noch leben, die täglich ums Futter kämpfen müssen, meist gibt es nicht genug, oder es ist fast ungenießbar, die ständig um ihr Leben kämpfen, obwohl sie kein anderes kennen, die im eiskalten Winter kaum einen schützenden Unterschlupf finden, die obendrein ständig überall verjagt und mit Gegenständen beworfen werden. Ich zucke noch heute zusammen, wenn irgendjemand einen größeren Gegenstand in die Hand nimmt . Ich kenne arme kleine Hunde, die wie ich noch Welpe schon eigene Welpen geboren haben und nahe der Verzweifelung sind, weil sie nicht genug zu essen für ihre Kinder im Dreck finden können, ich kenne so viele……denn ich bin ja nur ein kleiner Hund……. und ich begreife das Glück nicht, das mir seit einiger Zeit widerfährt. Zuerst wurde ich von einer älteren Frau in Ungarn von der Straße aufgesammelt, sie konnte mich aber nicht behalten, deswegen kam ich in ein Heim zu guten Menschen mit vielen anderen Hunden. Es war dort sehr voll, denn es wurde aufgenommen, was zu retten geht. Man konnte sich aber nicht weit genug aus dem Weg gehen, und es gab Konkurrenz beim Füttern…… ich mag jedoch keine Konflikte, denn ich bin trotz widriger Lebensumstände eine sanfte Seele geblieben, deshalb bekam ich manchmal nichts ab. Aber die Menschen haben dies beobachtet, und mich dann hin und wieder allein in einem Zwinger gefüttert, das war jedoch recht mühsam und konnte so nicht bleiben. Und wieder hatte ich Glück, - warum aber ich?, ich bin doch nur kleiner Hund? … ich kam über viele hundert Kilometer nach Klagenfurt in Österreich zu einer erfahrenen Pflegemama. Es gab dort zwei Hunde und zwei Katzen, aber Christa hat ein riesengroßes Herz und nimmt deswegen mit ihrem Sohn immer wieder Pfleglinge wie mich auf, bis diese das Glück haben, eine eigene Familie zu finden. Das kann manchmal dauern……..bei mir hat es fast vier Monate gedauert und ich glaubte schon an keine eigene Familie mehr und dachte, ich könnte doch eigentlich auch ewig bei Christa bleiben. Es gefiel mir, die Menschen waren sehr lieb zu mir und haben mir beigebracht, dass auch ich eine kleine Persönlichkeit bin und eben nicht nur eine kleiner Hund, dass ich den Kopf hochhalten und Selbstbewusstsein entwickeln soll, sie haben mir Verhaltensweisen beigebracht, an der Leine zu laufen, ein wenig zu gehorchen, und insbesondere Vertrauen zu Menschen zu haben, im Auto zu fahren und nicht davor wegzulaufen – Auto fahren hat mir jedoch immer Glück gebracht, deswegen ist es heute ein Hobby von mir.

Meine „Kontaktanzeige“ stand aber noch im Netz, in der ich als ein nicht so sehr hübscher Hund, dafür aber als sehr sehr lieb angeboten wurde. Heute weiß ich, dass das Unsinn war, ich bin zwar sehr lieb, aber ich bin auch hübsch, habe Selbstbewusstsein und Harro zeigt mir ständig, dass ich für ihn die hübscheste, tollste und goldigste Partnerin bin. Ich strenge mich sehr an, ihn nicht zu enttäuschen.

Jedenfalls wurde meine Vita auch von anderen im Netz weitergereicht und auf einmal meldete sich ein älterer deutscher Typ, der jedoch sehr weit im Süden von Frankreich fast an der spanischen Grenze lebt, und zu dem eine Hinreise fast utopisch war. Ich weiß erst jetzt, dass ich aber genau dort hin wollte, dass es unsichtbare Dinge gab, die diesen Typ nicht ruhen ließen, bis er die Entscheidungsträgerin SchmaFu von meinem weiteren Schicksal bei ihm überzeugen konnte, und dass alles im Leben geht, wenn man es denn wirklich möchte. Dies entspricht ja auch meiner eigenen Lebenseinstellung, obwohl ich da noch nicht wissen konnte, dass es auch zwischen mir, …einem nur kleinen Strassenhund…., und einem richtigen Menschen noch mal eine ehrliche innige Beziehung geben könnte, die für immer gilt………..

Die Herreise kann ich schlecht schildern, ich stieg von einem Auto ins nächste und dann wieder ins nächste. Alle waren sehr lieb zu mir und immer sehr traurig, dass ich sie wieder verließ – dabei wollte ich das doch gar nicht. Schließlich bin ich an einem Nachmittag bei diesem Typ aus Südfrankreich im Auto gelandet, ich hatte zwar die ganze Rücksitzbank für mich allein, er hat immer sehr nett und sanft mit mir geredet und ab und zu auch nach hinten gegriffen, um meine zitternde kleine Seele zu streicheln, aber es ging gnadenlos quer durch Europa Kilometer um Kilometer in Richtung Süden.

Bei einer Rast in den frühen Morgenstunden habe ich mich vor einem Riesenauto und dem startenden Motorengeräusch sehr erschrocken und bin dabei ungewollt aus dem Halsband gerutscht. Ich hatte zwar ein gutes Gefühl bei diesem neuen Menschen, aber ich wollte nicht wieder an die Leine, denn noch gab es ja die Hoffnung, irgendwo die vertraute Vergangenheit wieder auffinden zu können. Harro – so heißt der Typ aus Südfrankreich – hat zwar gerufen, ist aber ruhig hinter mir hergegangen und wirkte auch nicht hysterisch – obwohl er, wie er mir später sagte, sich große Sorgen gemacht hat………. Er hat allen LKW-Fahrern auf dem Parkplatz erklärt, dass ich noch neu bei ihm und deswegen auf der Flucht bin, und sie sollten mich bitte bitte nicht überfahren oder scheuchen. Ich hab das aus den Augenwinkeln alles beobachtet, konnte mich aber noch nicht entschließen, zur Leine zurückzukehren. Der Parkplatz war sehr groß und ich habe erstmal überall rumgeschnuppert, aber leider nichts gefunden, was auch nur im entferntesten an mein „Früher“ erinnert hätte. Ich war da wieder nur ein kleiner trauriger Hund.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kikki's erste Meldung von ihrem neuen zu Hause
BeitragVerfasst: 09.07.2011, 17:53 
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 Betreff des Beitrags: Re: Kikki's erste Meldung von ihrem neuen zu Hause
BeitragVerfasst: 10.07.2011, 10:19 
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...und Herrchen schreibt fleißg an Kikki's Tagebuch weiter:
Samstag, der 9. Juli 2011. Ich lief also ziemlich unglücklich auf diesem eigentlich sehr schön angelegten Parkplatz umher, nirgends war etwas, was mich an Christa erinnert hat. Harro hat derweil überlegt, was ich wohl denken und tun könnte, war deswegen wieder ins Auto gestiegen und hat einfach die hintere Tür aufgemacht, auch das konnte ich beobachten. Man könnte zwar vermuten, dass ich als Strassenhund irgendwo ne kleine Macke hätte – hat die aber nicht jeder irgendwo – man lernt auf der Strasse aber Überlebensstrategien, also sehr aufzupassen, sich selbst zu helfen und Risiken abzuwägen. Mit der offenen Tür wollte mich der Typ überlisten, das habe ich schon gemerkt. Andererseits war der Autositz mir aus der letzten Nacht schon ein wenig vertraut, denn ich habe auf dem Rücksitz eigentlich nur Angenehmes durch den Fahrer erfahren, - aber wenn die Tür wieder zuklappt, bin ich in diesem Blechkasten eingesperrt und muss weiter mitfahren, und weitere Kilometer zwischen mir und der nahen Vergangenheit zulassen.

Ich habe also sehr lange gezögert, es war ein Kräftespiel zwischen zwei Wesen, die ja noch nicht Freunde sind, ich bin immer mal wieder an der offenen Tür dieses schwarzen Autos vorbei getrabt. Harro hat aber weder gedrängelt, noch gerufen, auch nicht mit irgendwas gelockt. Ich hab’s gemerkt, er wollte mich freiwillig entscheiden lassen, denn er saß ganz entspannt auf dem Beifahrersitz, zumindest schien es mir so. Nach einer Menschenstunde oder auch anderthalb, Zeit die mir ewig vorkam auf meiner vergeblichen Suche nach dem Bisherigen, bin ich dann doch reingesprungen. Harro hat kein bißchen geschimpft, sondern war ganz ruhig, hat mich gelobt und gestreichelt, hat mir ein Leckerli angeboten, ist dann ausgestiegen und hat mit mir gekuschelt. Ich hatte mich wohl ein bisschen aufgegeben, aber wohl die richtige Entscheidung getroffen.

Aufgegeben heißt, dass ich nun beginne, gewissen Entscheidungen in seine Hände zu legen. Auf der weiteren Reise hat er mir dann alles mögliche vorerzählt, wie schön es sein wird an diesem neuen Ort, dass wir auf einem sehr sehr großen Grundstück mit wenigen Menschen wohnen werden, dass er mich niemals mehr verlassen wird und mich auch nie allein lässt irgendwo. Das hörte sich alles ganz toll an, er schien auch ein cooler Typ zu sein, und schon jetzt nach einigen Tagen hier in Südfrankreich am Fuße der Pyrénées weiß ich, dass es hier genau so ist, wie er es mir versprochen hat.

Dass ich als Lager sein Bett habe - nachts sowieso am Fußende - aber auch tagsüber, kommt als Leckerli noch oben drauf. Den Sessel, den ich nämlich eigentlich haben sollte, den hat Findus beschlagnahmt und gibt ihn nicht mehr her, da kann auch Harro nichts machen. Er sagt, Findus hätte vorher nie auf dem Sessel gelegen.

Zuerst hatte ich ja noch etwas Furcht vor Harros etwas unsortierter Gehweise, ich darf ihm nicht vor die Füße laufen, schon gar nicht auf Treppen, weil er sonst stolpert. Jetzt weiß ich, dass er vor fast 50 Jahren bei einem eigenen Autounfall ein ganzes Bein eingebüßt hat, und dass deswegen der Schlafplatz am Fußende fast grenzenlos groß ist, denn für ein Bein braucht man nur wenig Platz, also Glück für mich. Harro sagt aber auch für ihn, denn wir können überall Parken, wo es eigentlich verboten ist, er hat dafür so einen blauen Ausweis mit Rollstuhl, der gilt europaweit, und da wir viel mit dem Auto reisen werden, ist das schon ganz toll. Und wenn ich beim Einkaufen im Auto warte, dann erkenne ich ihn schon von sehr weit weg.

Zurück zur Ankunft im neuen Zuhause. Harro hatte mit seinem Bruder schon vorher die Schlupflöcher im Innenhof-Garten alle dicht gemacht, glaubten sie zumindest. Denn es gibt ein Eisentor mit Stäben, die mich nur scheinbar bremsen. Als keiner geguckt hat, habe ich mich dort durchgewurschtelt, noch immer mit der Hoffnung, irgendwo Christa, meine Pflegemama aus Klagenfurt, zu finden. Nachdem ich fast alle Straßen in diesem Dorf Galan vergeblich abgesucht habe, stand da auf einmal Harro mit seinem dunklen Auto und einer offenen Tür. Nun habe ich nicht mehr gezögert und bin dort sofort rein, er hat mich wieder nur gestreichelt und ist zur Belohnung mit mir in den nahen Wald gefahren. Er hat mich an der Leine geführt, er hatte so eine lange Ausziehleine besorgt, aber mir gefiel der Mechanismus überhaupt nicht, weshalb wir später wieder die alte Leine von Christa genommen haben.

Er hat es mir außerdem zwar vorher erzählt, aber als ich die erste Nacht hier noch etwas unruhig schlief, Harro hat immer mal nach mir gefasst und mich beruhigt, da kamen zwei Kater durchs offene Fenster. Der eine Kater, ein roter mit Namen Findus ist ein ganz cooler Typ, er hat mich angeguckt, dann zum aufwachenden Harro, und dann hat er mir noch in der ersten Nacht durch eine sehr sanfte Backpfeife klar gemacht, dass er hier zur Gruppe gehört und ich mich hinter ihm einzureihen habe. Das tue ich gern, denn mir fehlt dabei ja nichts, und inzwischen gehen wir sogar zusammen spazieren und rennen um die Wette, zumindest hier im Park. Mit dem anderen Kater, Fiffi dunkelgrau gestromt, habe ich noch Probleme, er auch mit mir, denn er rennt immer weg und löst bei mir den Jagdimpuls aus. Das wird wohl etwas dauern, aber Harro, unser aller Maitre, hat keine Zweifel, dass auch dieser Friede gelingt…….

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